Sun Tzu

Sun Tzu, sein Leben und sein Werk "Die Kunst des Krieges"

Sun Tzu's Leben und sein philosophisches Umfeld

Sun Tzu war ein berühmter Feldherr, der ca. 500 v.Chr. in China lebte. Sein Leben fiel in eine Blütezeit des Denkens, zeitnah lebten und wirkten Laotse und Konfuzius. Das chinesische Reich war damals zersplittert, Kriege und Konflikte traten häufig auf. Umso bezeichnender ist, dass es Sun Tzu gelang, sein Volk inmitten der Unruhe zu schützen und für die Stabilität und Kontinuität seines Landes zu sorgen.

 

Seine Erkenntnisse über "Die Kunst des Krieges" enthalten zwei Prinzipien, die bezeichnend für das frühe China waren. Erstens spielt die Naturbeobachtung eine große Rolle. Handeln gilt als langfristig erfolgreich, wenn es in Harmonie mit dem Naturgeschehen oder dem Tao, dem höheren Sinn, steht. Zweitens ist die Vorstellung verbreitet, dass sich die Welt innerhalb von Gegensatzpaaren wie Ordnung und Chaos, Sieg und Niederlage, Leben und Tod, Yin und Yang bewegt. Wer das Spiel der Kräfte richtig beobachtet und einschätzt, findet den richtigen Zeitpunkt für eine Handlung. In der Beachtung dieser beiden Prinzipien folgt Sun Tzu dem Wissen um die Verbundenheit mit Natur und Kosmos, die im frühen China fest verankert war. So Sun Tzu: "Der erfahrene Kämpfer siegt im Zusammenspiel mit den Bewegungen des Himmels." (5)

Sun Tzu's Empfehlungen und ihre heutige Relevanz

Sun Tzu's Strategieempfehlungen sind zeitlos und allgemein gültig, sie können in verschiedene Richtungen aufgefächert werden und auf ganz konkrete Situationen angewendet werden. Sie sind psychologisch subtil, genau durchdacht und betreffen die mentale Vorbereitung einer Handlung sowie das konkrete Vorgehen im Außen. Sie beinhalten eine langfristige Zielsetzung und kurzfristike Taktiken.


Sun Tzu's Ansatz zeichnet sich durch Ganzheitlichkeit aus. Jede Handlung wird in ein größeres Umfeld eingebettet. So beobachtet er die Natur und den Himmel, leitet daraus eine größere Ordnung ab und platziert sein Handeln in einer Art und Weise, dass es mit der größeren Ordnung in Harmonie ist. Ebenso beobachtet er sich selbst und sein Gegenüber, findet Stärken und Schwächen auf beiden Seiten und leitet daraus die optimale Handlung ab. Gegenüber seinen Mitarbeitern setzt er auf eine Kombination auf Verantwortung, Menschenliebe und auch Konsequenz.

Selbsterkenntnis ist die wesentliche Vorbedingung für jede von Sun Tzu's Strategien: "Die guten Kämpfer von einst machten zuerst sich selbst unbesiegbar. Dann warteten sie auf einen Moment der Verwundbarkeit des Gegners, um ihn zu besiegen." (4.1) Kurz gesagt: Gewinne zuerst, kämpfe dann. Handeln geschieht aus innerer Stärke heraus. Selbstführung ist die Voraussetzung für jede andere Art von Führung. Führung ist erfolgreich, wenn alle beteiligten Aspekte und Menschen einheitlich wie ein Pfeil auf ein Ziel wirken.

Sun Tzu legt Wert auf gründliche Vorbereitungsphasen, die durchaus ihre Zeit und Reife brauchen, sowie anschließendes kurzfristiges, schnelles Handeln. Wenn man einen Sachverhalt zuvor gründlich durchdrungen hat, wird das spontane Handeln zum angemessenen Handeln. Ohne mentale Vorbereitung wird spontanes Handeln schnell impulsiv, man lässt sich also mitreißen von unüberlegten Gedanken und unbewussten Emotionen. Die gründliche Vorbereitung, von der Sun Tzu spricht, bedeutet, dass man sich möglichst vieler unbewusster Gedanken und Emotionen bewusst wird, Szenarien im Geiste durchspielt. Dadurch bekommt man ein größeres Set an Möglichkeiten, und in der Situation kann man schneller adäquat reagieren. Es ist wie beim Autofahren - je geübter man ist, desto wahrscheinlicher reagiert man in einer gefährlichen Situation in Sekundenschnelle richtig. "Eine siegreiche Armee erringt ihren Sieg, bevor sie in die Schlacht zieht. Eine Armee, die in der Hoffnung auf den Sieg kämpft, ist dazu bestimmt, zu verlieren." (4.14)

Seine Haltung zum Krieg

Zu Lebzeiten Sun Tzu’s gilt die Auffassung, dass kriegerische Maßnahmen unter allen Umständen vermieden werden sollen. Krieg soll nur als allerletztes Mittel eingesetzt werden, und nur zur Wiederherstellung der Ordnung. Krieg wird mehr als eine intellektuelle denn eine materielle Herausforderung verstanden. Die Auseinandersetzung findet idealerweise auf der strategischen, diplomatischen Ebene statt. Sun Tzu's Motivation besteht darin, dass er Verantwortung für sein Volk übernimmt, es schützen und einen Beitrag für ihr Wohlergehen leisten will. In diesem Sinne beginnt er seine Ausführungen mit: "Die Kriegskunst ist für den Staat von entscheidender Bedeutung, sie bestimmt über Leben und Tod, Überleben und Untergang. Es ist unbedingt erforderlich, sie eingehend zu studieren." (1.1)

Seine wichtigsten strategischen Grundsätze

  1. Gewinnen Sie alles ohne zu kämpfen. Erobern Sie Ihren Makt, ohne ihn zu zerstören.
  2. Gehen Sie an den Stellen in die Offensive, an denen es die Konkurrenz am wenigsten erwartet.
  3. Maximieren Sie Ihre Informationen und setzen Sie sie geschickt ein.
  4. Bereiten Sie sich sorgfältig vor. Bewegen Sie sich schnell und flexibel.
  5. Geben Sie die Spielregeln vor.
  6. Führen Sie charakterstark durch turbulente Zeiten. Gegenüber Mitarbeitern zeigen Sie Menschenliebe und Konsequenz.

Literatur

Cleary, Thomas (2003): The Art of War – Complete Texts and Commentaries, Shambala Publications, Boston.

Chu, Chin-Ning (2010): The Art of War for Women – Sun Tzu's Ultimate Guide to Winning Without Confrontation, Crown Publishing, New York.

Huynh, Thomas (2012): The Art of War – Spirituality for Conflict, Annotated & Explained, SkyLight Paths, Woodstock, VT.

McNeilly, Mark (2012): Sun Tzu and the Art of Business: Six Strategic Principles for Managers, Oxford University Press, New York.

Schwanfelder, Werner (2004): Sun Tzu für Manager – Die 13 ewigen Gebote der Strategie, Campus Verlag, Frankfurt/New York.

Sunzi in der Übersetzung von Volker Klöpsch (2016): Die Kunst des Krieges, Insel Verlag, Frankfurt am Main/Leipzig.

Wilhelm, Richard (2012): Chinesische Philosophie – Eine Einführung, Marixverlag, Wiesbaden.

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